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Gastbeiträge von Udo Lamprecht

Dienstag,                     2. Juni                     2020                     Heimatgeschichte
                                

Schüler bringen Briketts mit

Brennstoffnot im Altenburger Land nach 1945

Altenburg. Bei langer Trockenheit liefen Jugendliche und rüstige Rentner in die Landschaft der Waldgesellschaften und hatten ihr Augenmerk hauptsächlich auf Birken und Buchen gerichtet. Ziel der Suche war der Zunder-oder auch Feuerschwamm in Stammhöhe, der mit dem Beilrücken abgetrennt wurde. Die bordige Pilzgeschwulst als Hartpilz galt als hervorragender Feueranzünder mit extrem langer Glimmdauer. Ein kastaniengroßes Stück reichte aus, um ein Feuer zu entfachen. Selbst Feuchtholz entflammte nach kurzer Zeit. Erbsenkleine Pilzstücke galten als Blutstiller bei Schnitt- und Schürfwunden.

Eine sehr spezielle Heizquelle war der Sägespäneofen, angefertigt vom Dorfschmied als klobiger runder Ofen mit Abzugsrohr ins Freie. Dieser gab in kurzer Zeit rotglühende Wärme ab, die jedoch recht bald unerträglich wurde und sogar zu Bränden führte. Im Zeitraum 1948 bis 1951 forderte unser Lehrer zur kalten Jahreszeit geharnischt auf, von zu Hause zwei Briketts mitzubringen, ansonsten falle der Unterricht für Tage aus. Diesem „Quasi-Befehl“ kamen jedoch manche Familien nicht nach, verweigerten sich strikt und ließen ihre Kinder zum Schutz vor Kälte in der eigenen Wohnung. In seltenen Fällen führte das zu Konsequenzen von der Kreisschulbehörde – mit Geldbußen, die jedoch keiner der Verweigerer beglich.

Die stark feuchtigkeitsbelastete Rohbraunkohle galt als Hauptbrennstoff und wurde in manchen Haushalten zu „Luxus-kohle“ veredelt. Daran konnte sich noch eine geflüchtete Schlesierin mit ihren 95 Jahren genau erinnern. In ihrem Kopf waren noch nach Jahrzehnten die Zutaten gespeichert. Zunächst schütteten die Frauen etwa 15 bis
20 Kilogramm der Braunkohle in eine metallene Wanne, zerkleinerten die Grobstücke und besprengten die Oberfläche mit einer bescheidenen Menge Wasser, welches gründlich mit der schwarzen Masse vermengt wurde. Nach dieser ersten Prozessstufe folgte die Zugabe sehr unterschiedlicher Beimengungen in einem Vielerlei aus Erfahrung und Experimenten mit den Stoffen aus der freien Natur. In mehreren Stufen entstand so ein Produkt der Eigenkreation, das von Familie zu Familie unterschiedlich gehandhabt wurde.

Trockene Fichtennadeln, zerkleinerte Baumzapfen, gekürztes Stroh, gehacktes Birkenreisig, Walnussschalen, Baumharze der Kirsche und Pflaume, Moose, zerbröselte Baumrinden, feste Kuhfladen und nicht zuletzt Geflügelfedern, die von den Kindern in den Höfen der Bauern aufgelesen wurden: Diese Masse, gut vermischt, war die Grund-substanz für die gänseeiergroßen, fest gekneteten Edelkohlestücke, die in der Sonne und bei Wind über Tage trockneten. Durch den Fremdzusatz der Hilfsstoffe verdoppelte sich das Ausgangsgewicht.

Grudekoks, ein Fremdwort für die meisten, gab es nur bei besten Beziehungen und der entsprechenden Tauschware, denn dieser Brennstoff hatte den Vorteil einer langen, sachten und gleichmäßigen Wärmehaltung. Dafür gab es spezielle Grude-Öfen, sogenannte Kochmaschinen für Wärme und Essenzubereitung.

Damit enden die Ausführungen zur Brennstoffversorgung im Altenburger Land in der Nachkriegszeit.   Udo Lamprecht




 


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