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Gastbeiträge von Udo Lamprecht - Mitglied Altenburger Geschichtsverein (AGV)


Brennstoffnot im Altenburger Land nach 1945

Bei langer Trockenheit liefen Jugendliche und rüstige Rentner in die Landschaft der Waldgesellschaften und hatten ihr Augenmerk hauptsächlich auf Birken und Buchen gerichtet. Ziel der Suche war der Zunder-oder auch Feuerschwamm in Stammhöhe, der mit dem Beilrücken abgetrennt wurde. Die bordige Pilzgeschwulst als Hartpilz galt als hervorragender Feueranzünder mit extrem langer Glimmdauer. Ein kastaniengroßes Stück reichte aus, um ein Feuer zu entfachen. Selbst Feuchtholz entflammte nach kurzer Zeit. Erbsenkleine Pilzstücke galten als Blutstiller bei Schnitt- und Schürfwunden.

Eine sehr spezielle Heizquelle war der Sägespäneofen, angefertigt vom Dorfschmied als klobiger runder Ofen mit Abzugsrohr ins Freie. Dieser gab in kurzer Zeit rotglühende Wärme ab, die jedoch recht bald unerträglich wurde und sogar zu Bränden führte. Im Zeitraum 1948 bis 1951 forderte unser Lehrer zur kalten Jahreszeit geharnischt auf, von zu Hause zwei Briketts mitzubringen, ansonsten falle der Unterricht für Tage aus. Diesem „Quasi-Befehl“ kamen jedoch manche Familien nicht nach, verweigerten sich strikt und ließen ihre Kinder zum Schutz vor Kälte in der eigenen Wohnung. In seltenen Fällen führte das zu Konsequenzen von der Kreisschulbehörde – mit Geldbußen, die jedoch keiner der Verweigerer beglich.

Die stark feuchtigkeitsbelastete Rohbraunkohle galt als Hauptbrennstoff und wurde in manchen Haushalten zu „Luxus-kohle“ veredelt. Daran konnte sich noch eine geflüchtete Schlesierin mit ihren 95 Jahren genau erinnern. In ihrem Kopf waren noch nach Jahrzehnten die Zutaten gespeichert. Zunächst schütteten die Frauen etwa 15 bis
20 Kilogramm der Braunkohle in eine metallene Wanne, zerkleinerten die Grobstücke und besprengten die Oberfläche mit einer bescheidenen Menge Wasser, welches gründlich mit der schwarzen Masse vermengt wurde. Nach dieser ersten Prozessstufe folgte die Zugabe sehr unterschiedlicher Beimengungen in einem Vielerlei aus Erfahrung und Experimenten mit den Stoffen aus der freien Natur. In mehreren Stufen entstand so ein Produkt der Eigenkreation, das von Familie zu Familie unterschiedlich gehandhabt wurde.

Trockene Fichtennadeln, zerkleinerte Baumzapfen, gekürztes Stroh, gehacktes Birkenreisig, Walnussschalen, Baumharze der Kirsche und Pflaume, Moose, zerbröselte Baumrinden, feste Kuhfladen und nicht zuletzt Geflügelfedern, die von den Kindern in den Höfen der Bauern aufgelesen wurden: Diese Masse, gut vermischt, war die Grund-substanz für die gänseeiergroßen, fest gekneteten Edelkohlestücke, die in der Sonne und bei Wind über Tage trockneten. Durch den Fremdzusatz der Hilfsstoffe verdoppelte sich das Ausgangsgewicht.

Grudekoks, ein Fremdwort für die meisten, gab es nur bei besten Beziehungen und der entsprechenden Tauschware, denn dieser Brennstoff hatte den Vorteil einer langen, sachten und gleichmäßigen Wärmehaltung. Dafür gab es spezielle Grude-Öfen, sogenannte Kochmaschinen für Wärme und Essenzubereitung.

Damit enden die Ausführungen zur Brennstoffversorgung im Altenburger Land in der Nachkriegszeit.  

Selbst gebaute Radios in der Zigarrenkiste

Eine Ergänzung zum Beitrag „Erinnerungen an eine Kindheit in Altenburg in der Nachkriegszeit“ von Karl-Heinz Otto:

Ein Großteil der Viertklässler bis zu den Jugendlichen bastelten nach dem Krieg bis weit in die Fünfziger die einfachen Kristall-Detektoren-Radios zum Empfang ortsnaher Radiosender. Bei bestimmten Wetterlagen konnten sogar die Ätherwellen aus Hessen oder Bayern eingefangen werden, was im Gegenwartskundeunterricht missbilligt wurde.

Die simplen Empfänger bestanden aus einer alten Zigarrenkiste, einem Kristall, der in Gera besorgt werden musste, dickem Kupferdraht, einer Spule, einer Diode, einer Antenne mit Erdung sowie einem Luftwaffenkopfhörer aus Beständen der ehemaligen Wehrmacht. Zum Erwerb der Kopfhörer musste wertvolles Tauschmaterial angeboten werden, meist frische oder geräucherte Schlachtprodukte.

Es war ein zeitaufwendiges Geduldsspiel, bis das Kupferdrahtende den richtigen Punkt am Kristall gefunden hatte und das Kratzen, Rauschen und Pfeifen unterdrückt werden konnte. Pfiffige Tüftler ermöglichten einen gemeinsamen Empfang am Küchentisch, wenn auch sehr leise, aber doch verständlich.

Ein tiefer Teller wurde auf einen großen Topf aufgesetzt, darauf die Ohrhörer nach unten gerichtet und schon konnte das Hilfsradio Töne ausspucken. Schwierigkeiten bereitete das Unterbringen der klobigen Zigarrenkiste im Topfinneren und diese durfte sich nicht bewegen.

Erinnerungen an den Haferstrohkäse im Altenburger Land Altenburg. Teil 2:

Ein Patenonkel, gelernter Fleischermeister, probierte oft Neues aus. In die Käsemasse gelangten jahreszeitlich Minzblätter, dass stark riechende Maggikraut. Der Autor dieses Beitrages durfte den Sommer über die käselaibähnlichen Früchte der Wilden Malve sammeln, die dann gequetscht dem Grundquark zugesetzt wurden. Bei den Bauern war es üblich, von der letzten eingefahrenen Haferfuhre vom Feld einige der Garben an versteckter Stelle übereinander zu stapeln und dazwischen Käselinge zu verbringen, die im November zur Druschzeit geerntet werden sollten, soweit diese noch vorhanden waren und böse Jungs sie nicht schon längst vertilgt hatten. Der Verzehr der Käsestangen wurde nie langweilig, dank der großen Variationsbreite. Auf dem Bauernküchentisch stand eine Schüssel mit lauwarmem Leinöl und gemahlenem Mohn; hier wurde mit der Messerspitze ein kleines Stück des Käses „eingeditscht“ und zu grauem Hausbackbrot gegessen. Dazu noch saure Gurken oder gesalzene Radieschen-Scheiben, frischgeerntete Rapünzchen (Rewenzchen). Mein Großvater väterlicherseits (Jahrgang 1867), der jüngste Sohn eines Mittelbauern, verlebte seine Kindheit und Jungmannenzeit in Paitzdorf in der Nähe des Reuster Berges mit kurzer Wegstrecke bis Ronneburg. Bereits als Schuljunge begleitete er Mutter und Hofmagd auf den Ronneburger Wochenmarkt mit einem kleinen Planwagen und Anspannpferd, beladen mit allerlei Naturalien aus Hof, Stall, Feld und Garten. Frische Milch, Butter, die vor dem Kauf jedes Mal erst gekostet wurde, junge gerupfte Haustauben, gemästete Kapaune, in der frostigen Jahreszeit frisch schlachtetes Schweine- und Rindfleisch, dazu noch Schöpsenbraten (Hammel). Eine städtische Aufsichtsperson kontrollierte die Marktregularien, besonders die Einhaltung von Maßen und Gewichten, der Qualität, der Begrenzung von Preisen, die mit dem Käufer ausgehandelt wurden. Von der Butter wurden Kontrollproben entnommen und gesondert auf Gewicht und Wassergehalt geprüft. Die Butter lag strichglatt in einer genormten Art von Auflaufform, angewiesen vom Hofamt des Herzogtums Sachsen-Altenburg. Noch weit bis in die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts wurde mit Münzen aus den letzten anderthalb Jahrhunderten bezahlt, obwohl die einheitliche Reichswährung in Mark und Pfennig verbindlich und verpflichtend war. Mit den Altwährungen bezahlten die Frauen aus ihrem Ersparten und gehorteten Kleinmünzen und hier musste der Schulbub helfen beim Umrechnen auf die Neuwährung. An Sonntagen waren die Dorfschenken Begegnungsorte der Familien. Im hiesigen Umland wurde Schafkopf um mittlere Geldbeträge gespielt und es gab ein bescheidenes Kuchenangebot: ganzjährig Quark- und Mohnkuchen, im Herbst Pflaumenkuchen und für die Mannsbilder in den Kartenspielpausen; „Schweinegriebenfettbemmchen“ mit Zwiebeln und den Haferlaibchen, leicht mit Essig gesäuert. Befreundete Käseweibsen trafen sich abwechselnd einmal im Jahreslauf zum Käseschmaus, der zum Wettbewerb wurde und mitunter zu übler Nachrede führte. Das war dann echter Dorfklatsch. Große Beachtung fand die saisonale Weidehaltung der Milchkühe zur reinen Stallhaltung. Kenner konnten den Unterschied mit Zunge und Gaumen schmecken und der „Stallkäse“ fiel hinten runter.


 


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